Geschrieben von: Nowak-Trytko 03.02.2012
Die Web Analytics Association wird in Europa politisch aktiv
Ist Webanalyse nach der Directive wirklich noch sinnvoll? (erster Beitrag der Reihe: Macht Webanalytics noch Sinn?) Die Meinungen gehen da bei Werbetreibenden, Shopbetreibern, Verbraucherschützern und Datenschutzern abhängig von ihren Interessen weit auseinander. Nachdem bereits viele Lobbygruppen sich dem Thema angeschlossen haben, engagiert sich seit Ende letzten Jahres auch die Web Analytics Association (WAA). Die Aktivitäten steuern Matthias Bettag und Geddy van Elburg. Mit Matthias Bettag habe ich gesprochen und ihn u.a. gefragt: 'Warum wird die WAA erst jetzt aktiv?'.
Matthias Bettag, wer steckt hinter der SI Gruppe? Wer wird hier repräsentiert? Welche Unternehmen engagieren sich dort?
Die Special Interest Group (SIG) der Web Analytics Association (WAA) besteht aus Webanalysten aus verschiedenen europäischen Ländern wie Irland, Tschechien, Finnland oder Spanien. Die Abkürzung WAA EU SIG steht für Web Analytics Association Europe Special Interest Group. Mitglieder der WAA sind Unternehmen und Einzelpersonen, die ihre Branche und ihr Berufsbild vertreten möchten. Die Teilnehmer sind nicht nur sehr nahe am Geschehen, sondern können selbst aktiv werden. Interessenten sind übrigens herzlich willkommen.
Die SIG möchte der WAA in Europa mehr Gewicht geben, da die einzelnen Ländervertretungen kaum überregional aktiv werden. In Europa befindet sich das "WAA-Chapter-Modell" im Aufbau (WAS IST DAS?). Die Herausforderung besteht darin, alle Länder unter einen Hut zu bringen. In den USA, wo sich alle im selben Wirtschafts-, Sprach- und Rechtsraum arbeiten, ist dies einfacher.
Welche Ziele hat die SIG der WAA?
Ziel ist es, der WAA in Europa eine Stimme zu geben, wenn es um das Berufsbild Webanalyt geht. Das Thema Datenschutz ist derzeit besonders wichtig, da es neben den technischen auch die methodischen Prozesse der Webanalyse betrifft, Stichwort Cookie-Opt-In. Die SIG möchte sich in Diskussionen einbringen und Lösung vorschlagen. Wir wollen aufzuklären, wieso Webanalyse wesentlicher Bestandteil einer digitalen Initiative sein sollte.
Warum erst jetzt? Die Diskussion läuft ja schon seit einiger Zeit?
Die 2011 verabschiedete EU-Direktive wurde ab 2003 geplant und unter Einbeziehung verschiedener Interessengruppen diskutiert. Die WAA wurde damals gerade erst in den USA gegründet. Gesetzesvorhaben innerhalb der EU haben einen langen Vorlauf in lokalen Gesprächsrunden, selbst dann, wenn die Gesetze schon formuliert sind und der Zug eigentlich schon abgefahren ist. Es ist aber richtig, dass es die Interessenvertretungen der Industrie nicht geschafft haben, die nötige Aufklärung zu leisten. Dies betrifft im speziellen die unscharfe Formulierung der EU-Direktive und ihre individuelle Auslegung in den Ländergesetzen. Diese gilt es zu vermeiden.
Die SIG ist keine Feuerwehrmaßnahme, um schon verabschiedete Gesetze zu kippen, sondern ein Versuch, die WAA in Europa effektiver aufzustellen.
Wie will sie mit der Politik kommunizieren und sich in Position bringen? Wie groß ist die Lobbymacht der WAA in Europa? Wer ist Repräsentant der SIG?
Die WAA hat das Berufsfeld der Webanalyse im Fokus. Die WAA vertritt Interessengruppen, die im Internet Messgrößen ermitteln müssen, um die Existenz ihrer Unternehmen zu sichern. Wir sind somit nicht die kleine Schwester des ‘Verbandes der Werbewirtschaft’ oder beschränkt auf die Interessen der Webanalyse-Toolanbieter. In der Kommunikation mit politischen Gremien ist es wichtig, von unserer Seite aus konkrete Ansprechpartner zu benennen. Somit hat die WAA EU SIG zwei offizielle "Spokes Persons": Geddy van Elburg aus den Niederlanden und mich.
Mit den Gremien in der Politik zu kommunizieren ist aufwändig und bürokratisch. Es finden derzeit in allen EU Ländern Gespräche statt, welche letztlich Gesetzesinitiativen für 2020 vorbereiten. Einbringen kann sich jeder, man muss aber wissen, wo man die nötigen Informationen dazu findet und sich dann rechtzeitig anmelden. Die SIG möchte die vielen lokalen Informationen bündeln und untereinander bekannt machen. Wir wollen uns besser einzubringen, um zukünftig Situationen zu vermeiden, wie jetzt wo ‘first party Cookies’ in "Sippenhaft" mit ‘third party Cookies’ genommen werden. Das verursacht Probleme in Bereichen, die der Gesetzgeber nicht im Fokus hat.
Gibt es Überlegungen, mit anderen Verbänden oder Initiativen zu kooperieren?
Natürlich ist das möglich und sinnvoll.
Wer käme hier in Frage? Gibt es schon Gespräche?
In Frage kommen alle betroffenen Interessengruppen, also nicht nur die Industrie. Konkret gab es noch keine Gespräche, die SIG wurde ja gerade erst im Dezember 2011 ins Leben gerufen.
Am 25. Januar 2012 hat die EU Kommission überraschend bekanntgegeben, dass sie die Datenschutzrichtlinie noch einmal überarbeiten werde. Siehe http://ec.europa.eu/justice/newsroom/data-protection/news/120125_en.htm. Offenbar ist klar geworden, dass keine sinnvollen Lösungen erreicht werden können, wenn 27 Länder die Direktive individuell interpretieren und unterschiedliche Gesetze in Kraft treten. Die EU Kommission strebt eine Reglung an, die für alle EU Länder verbindlich gilt, mit nur einer zentralen Ansprechstelle. Es besteht bereits Kontakt zwischen der EU Kommission und der SIG, so dass wir uns bald konkret und direkt einbringen können.
Ende des ersten Teils des Interviews.




